Berlin goes veggie
Titelgeschichte in "tip", der Stadtillustrierten Berlins
Die Hauptstadt ist Trendsetter – diesmal in eine grüne, gesunde und klimafreundliche Richtung: "Gemüse ist mein Fleisch. Es muss nicht immer Schnitzel sein: Die Vegetarische Küche erobert Berlin."
Trendy und gesund
Was in New York schon vor zehn Jahren hip war, ist jetzt auch in Berlin angesagt. Die Stadtillustrierte "tip" beschreibt in ihrer Februar-Titelgeschichte einen neuen Trend: "Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland ernähren sich fleischlos. Aus einer alternativen Lebensform ist längst eine Massenbewegung geworden, mit Berlin als inoffizieller Hauptstadt."
Fleischlos auf dem Campus
Kaum zu glauben, aber es gibt in Berlin tatsächlich eine Uni-Mensa, die sich "Veggie No. 1 – die Grüne Mensa" nennt. An der Freien Universität in Dahlem hat "Deutschlands erstes Campusrestaurant, in dem komplett fleischlos gekocht wird" eröffnet, schreibt "tip" und zitiert den Mensa-Manager: "Das Bewusstsein für gesunde Ernährung ist gestiegen. Darauf haben wir mit dem neuen Konzept in der vegetarischen Mensa reagiert ... Am liebsten essen unsere Studenten asiatisch-indische Gerichte und Gratins in allen Variationen.
Reif für Sterne
Vegetarier und Veganer, so ist zu lesen, "verzichten gern, leben gesünder und retten nebenbei das Klima". Eine ungewöhnliche Entwicklung, vor allem unter jungen Leuten. Aber die vegetarische Szene blüht: Strudel von der Steckrübe oder Parmesan-Knödel mit geschmorten Mini-Artischocken machen die vegetarische Küche reif für Michelin-Sterne, und Bio-Fastfood wird zum Renner. Dass fleischlose Küche kein geschmackloses Grünfutter ist, beweist Sternekoch Michael Hoffmann vom "Margaux", der fast als einziger Spitzengastronom in Berlin ein vegetarisches Menü anbietet.
Neugier auf Gemüse
Ob Tierschützer, kompromissloser Veganer oder zeitweiliger Vegetarier – in Berlin hat alles Platz, was der Gesundheit und dem Klimaschutz gut tut und obendrein noch schmeckt. Die Zahl der Restaurants, die vegane oder vegetarische Speisen anbieten, wächst – wie die Neugier derer, die nicht ganz auf fleischliche Kost verzichten wollen.
Veggiday in Bremen
Eine schöne Entwicklung, finden wir auch in Bremen, mit einer Einschränkung: Fleischlos soll hier nur der Donnerstag sein, wer Fleisch essen will, der darf natürlich. Ziel der Initiative "Veggiday" in Bremen ist nicht, sich von Tierschützern oder vom Vegetarierbund vereinnahmen zu lassen, sondern sich bei der Ernährung ebenso lustvoll wie klimabewusst zu verhalten.
Klimaschutz ganz ohne Zwang
In Bremen hat die Bürgerstiftung den vegetarischen Donnerstag nach dem Vorbild der belgischen Stadt Gent ins Leben gerufen und damit auch dem Appell Paul McCartney's Rechnung getragen: "Less meat, less heat" – weniger Fleisch, weniger globale Erwärmung.
Bremen Nr. 1
Das geschieht in der Hansestadt, die als erste Stadt in Deutschland einen regelmäßigen fleischlosen Tag zum Schutz des Klimas proklamiert hat, ganz ohne Dogma und Zwang. Wie in Berlin, bislang allerdings mit deutlich weniger Resonanz in der Gastro-Szene. Aber wer weiß, vielleicht lassen sich die Norddeutschen von den Hauptstädtern noch anstecken. ... (Christiane Schwalbe)
|